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Zur Geschichte des BVK

Kameraleute sehen sich traditionell eher als Einzelkämpfer. Sie erdenken Apparate, die es auf dem Markt nicht gibt und schaffen neue Anwendungsgebiete für solche, die in traditionellen Techniken verwendet werden. Sie kümmern sich um Vermittlung ihres Wissens und ihrer Erfahrung an die nächste Generation. Sie handeln ihre Verträge aus, erkämpfen sich oft für ihre jeweiligen Projekte sinnvollere Rahmenbedingungen, die ihre Arbeit erleichtern, das Ergebnis verbessern und damit einem Film zu einer tieferen Wirkung beim Zuschauer verhelfen. Während der Drehphase eines Films sind sie als wichtigste Mitarbeiter des Regisseurs hauptverantwortlich für die visuelle Umsetzung des Drehbuchs.

Angesichts der zunehmenden Konzentration in der Film-und Fernsehindustrie zeigte sich schon in der Vergangenheit, dass man als Einzelkämpfer zur nachhaltigen Durchsetzung aller dieser Ziele zu schwach ist. Es erwies sich die Notwendigkeit, einen engeren Kontakt untereinander zu pflegen, einen Berufsverband zu gründen.

Schon früher gab es solche Zusammenschlüsse von Kameraleuten in Deutschland: Guido Seeber war vor dem 2. Weltkrieg der Initiator des Clubs Deutscher Kameramänner (Kamerafrauen gab es damals nicht, das hat sich heute sinnvollerweise gründlich geändert!) Im Dritten Reich wurde der CDK aufgelöst und in die Arbeitsfront überführt.

Nach dem Krieg gründete eine Gruppe um Walter Pindter, Franz Koch, Friedl Behn-Grund und Ernst W. Kalinke den CDK neu. Diesem Beispiel folgten andere Filmberufe. Unter dem Namen DACHO entstand eine Dachorganisation praktisch aller beim Film tätigen Berufsgruppen.

Zu dieser Zeit erlebte die Filmbranche einen kräftigen Aufschwung, die Beschäftigungslage in der Branche boomte, alle hatten zu tun. Leider stellte sich mit den Jahren eine deutliche Verbandsmüdigkeit ein und viele glaubten, auch ganz alleine zurecht zu kommen.

Das Fernsehen übernahm jetzt zunehmend die Rolle des Kinos, die Besucherzahlen gingen rapide zurück. In den Produktionen musste man sich zwangsläufig auf neue Strukturen umstellen. Auch auf neue Anforderungen, eine Fernseh-Ästhetik entstand. Dies betraf auch die Kameraleute, selbst wenn eine gute Fotografie, die Beherrschung der technischen Mittel, dramaturgische Kenntnisse und das Wissen um eine künstlerische Umsetzung natürlich nach wie vor die Voraussetzung für interessante Engagements blieb. Man sah sich aber einer neuen Produktionslandschaft gegenüber und musste auf deren Vorgaben reagieren.

Wieder entstand die Einsicht, dass man vieles besser zusammen meistern könnte. So wurde 1980 in München der BVK – Bundesverband Kamera gegründet. Schnell stießen Kollegen aus Berlin und Hamburg dazu. Der Vorstand erledigte die Verbandsarbeit zunächst am heimischen Schreibtisch. Schon bald zeigte es sich aber, dass zu einer wirklich effektiven Verfolgung der ins Auge gefassten Ziele ein ständiges Büro mit einer festen Kraft unverzichtbar war. Mit dem erfreulich raschen Anwachsen der Mitgliederzahl und den ständig sich ausweitenden Aufgabenfeldern wurde es nötig und möglich, einen Geschäftsführer einzustellen und die Zahl der ständigen Mitarbeiter zu erweitern. Im Gegensatz zu vielen Kameraverbänden nimmt der BVK auch Operator, Steadicam-Operator, Kameraassistenten, DITs, Datenassistenten und Coloristen/Grader als stimmberechtigte Mitglieder auf.

Der Verband genießt heute in der Fachöffentlichkeit ein hohes Ansehen. Er wird zunehmend von anderen Verbänden und staatlichen Stellen zur Mitarbeit herangezogen, wenn es um die Belange der Branche geht – und ist als "fachkundige Stelle" für Gerichte und Ämter gutachterlich tätig.

Der BVK ist Gründungsmitglied der IMAGO. Er stellt Mitglieder im Verwaltungsrat der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst und ist im Deutschen Kulturrat vertreten. Er bietet für seine Mitglieder Weiterbildungs- und allgemeine Informationsveranstaltungen zu vielen Themen an. Der BVK nimmt über verschiedenste Wege Einfluss auf Tarifverträge, Gesetzgebungsvorhaben, Geräteentwicklung in der Industrie, aktuelle Standards der Nachbearbeitung und vieles mehr.

Eine große Verbreitung findet der jährlich im Verlag der bvkmedien GmbH erscheinende CameraGuide. Dieses Nachschlagewerk diente seit seinem erstmaligen Erscheinen als Vorbild für ähnliche Guides verschiedenster nationaler und internationaler Filmverbände. Der CameraGuide liegt nicht nur auf fast allen Schreibtischen der Branche, er ist auch im Internet in ständig aktualisierter Form zugänglich.

2012 wurde der BVK zum "Berufsverband Kinematografie" umbenannt, weil sich die Verantwortung und der Inhalt unserer Berufstätigkeit im Begriff "Kinematografie" klarer zeigt, als im rein technischen Begriff "Kamera". Mit der Digitalisierung der Produktion sind auch neue Arbeitsbereiche in unserem Berufsfeld entstanden.

Zukunftsgerichtet und mit Nachdruck setzt sich der BVK für die Durchsetzung des Urheberrechts der Kinematografen ein. Als Urheberverband steht er nicht nur an der Seite der anderen Berufsverbände, sondern ist auch um Dialog und zielgerichtete Entwicklung unserer Branche mit den Verbänden der Produzenten und den Werknutzern – etwa Fernsehanstalten – bemüht.

Viele Probleme, denen sich der Berufsstand und die ganze Filmwirtschaft gegenüber sehen, bedürfen einer Lösung – und manches erfordert einen sehr langen Atem. Das bisher Erreichte macht uns aber Mut und Zuversicht.

Wolfgang Treu, im November 2012